Mittwoch, 19. März 2008

Chaos ohne Ende - Wie erhöhe ich mein Herzinfarktrisiko oder: So bekomme ich garantiert bald die ersten grauen Haare

So schauts aus...
Eigentlich sollte ich gerade zwei Kapitel aus Kotlers Marktingmanagement und ein Harvard Business School Paper lesen, bzw. schon lange gelesen haben, aber es fehlt, wie so oft, die Motivation.
Seit zwei Wochen hat hier das zweite Semester angefangen und so langsam, sehr langsam beginnt sich das Chaos aufzulösen, aber nicht ohne dass neue Stressfaktoren dazukommen.
Im Februar sollten wir unserer Koordinatorin unsere Kursliste schicken, was wir auch getan haben Nachdem irgendwie wohl ein Kurs dieses Semester nicht stattfindet und wir einen Alternativkurs gefunden haben und die Stundenüberschneidung mit einem anderen Kurs mit dem Professor geregelt hatten, sollte eigentlich alles klar sein. Pustekuchen... Wir sind noch in keinem Kurs offiziell eingeschrieben, das bedeutet in keiner offiziellen Liste der Uni und somit auch in keinem E-Mail Verteiler, die dafür da sind, uns armen Studenten Unterlagen zu senden bzw. uns Bescheid zu geben, wenn mal eine Stunde ausfällt! Also sind wir jetzt schon zum dritten Mal UMSONST 2 (!!!) Stunden in Transantiago, morgens im Hauptverkehr zur Uni gegurkt um zu erfahren, dass die Profe nicht da ist! Großer Spaß, vor allem, wenn das die einzige Stunde war, die wir an dem Tag hatten! Aber wir wissen ja: pobrecitos, pero no se preocupen, vamos a reglar todos! Zum Ausflippen!
Wenn man endlich mal rausgefunden hat, welche Unterlagen man braucht und wo man sie findet, muss man sie im Normalfall auch noch im Copyshop kopieren. Auch noch so ´ne Herausforderung, die unter Umständen sehr viel Zeit in Anspruch nimmt! Nummer ziehen, ewig warten und wenn man Pech hat, wird die Nummer, die man hat einfach Übersprungen, also verursacht man ein Riesenchaos, indem man darauf besteht, dass man ja schon eine halbe Stunde wartet und jetzt eigentlich dran ist!
Und das Schlimmste diese Woche: im Café gab´s entweder keine Milch, oder die Kaffeemaschine war kaputt!!!!!
Und zu guter letzt, da wir ja jetzt die organisatorischen Sachen so gut wie geklärt haben, nachdem wir in der Fakultät schon persönlich bekannt sind, wurden wir endlich in die Wissenschaft der Gruppenarbeit in Chile eingeführt! Katastrophe!!!!! Präsentation fällig: Dienstag; Aufgabenstellung: eine Woche davor; erster Termin für ein Treffen der Gruppe: Donnerstag nach dem Tutorium (wir zwei Deutsche haben verstanden, dass in der Woche kein Tutorium stattfindet, die Chilenen haben darauf bestanden, dass der Profe gesagt hat, es findet statt): kein Chilene da, weder zum Tutorium noch zur Besprechung. Doof, dass der Chilene die Telefonnummern hat!! Samstag klingelt das Telefon: wir treffen uns Sonntag, er meldet sich wegen der Uhrzeit! Sonntag klingelt das Telefon: wir können uns nicht treffen, weil 2 von 6 Leuten nicht da sind, wir treffen uns Montag um 13 Uhr in der Uni, und wir sollen den Text bis dann lesen. Alles klar, Steffi und ich fahren extra wieder eine Stunde Transantiago. Die Gruppe war komplett um 13.30Uhr, sei ganz normal! Ratespiel: Wer hat den Text nicht gelesen? Haha, alle drei Chilenen natürlich! Das nächste Problem war, dass keiner die wirkliche Aufgabe kannte - also auf ins Büro der Tutorin (inzwischen hatten die drei den Text gelesen). Nachdem wir dann alles geklärt hatten, die drei immer noch nicht wirklich ´nen Plan hatten, haben wir dann um 15.30 Uhr mit der Arbeit angefangen! Das dauerte dann zwei Stunden, die Noten waren schlecht und die Laune am Boden!!! Den drei Jungs haben wir dann noch fünf Mal erklärt, dass das in Zukunft so nicht läuft und zum nächsten Treffen alle den Text gelesen haben und wir uns pünktlich treffen!!! Bin gespannt, das wäre dann Morgen!
Ich bin einfach zu ungeduldig für dieses Land hier! Aber es gibt zum Glück auch ein paar normale Menschen hier! Die Gruppe aus einem anderen Kurs macht irgendwie alles alleine, wir sollten eine Firma aussuchen, über die wir ein ganzes Semester eine Präsentation entweder über Entrepreneurship oder Outsourcing erstellen sollen, mit regelmäßigem persönlichen Kontakt. Wir wissen aber noch nicht mal, welche Firma das ist, weil die uns nichtmal das sagen! Tja, mal sehen!
Vielleicht war es besser, dass ich im ersten Semester ein bisschen später gekommen bin, somit hab ich das anfängliche Chaos nicht so mitbekommen, vielleicht lags auch einfach daran, das ich damals noch nichts verstanden habe, wer weiß...

Donnerstag, 6. März 2008

El segundo semestre

So, jetzt kanns also losgehen. Die Reise ist beendet, wenn auch noch nicht alle Eindrücke verarbeitet sind und ein Zimmer hab ich tatsächlich auch noch gefunden, eine WG mit einer Bolivianerin und einer Kolumbianerin (die ich wenigstens sehr gut verstehe, wenn sie spanisch sprechen) und für einen Monat wohnt noch eine Japanerin hier, die gerade im Urlaub ist. Seit gestern ist eigentlich auch Uni, nur sind die alle so planlos und noch gar nicht fertig, dass das alles gerade hier ein wenig chaotisch ist. Die erste Stunde ist gleich mal ausgefallen, was wir natürlich erst erfahren haben, nachdem wir den einstündigen Weg zur Uni hinter uns gebracht hatten. Ob wir die benötigten Kurse für Bamberg alles so machen können, wie wir uns das vorstellen ist auch noch nicht ganz sicher, weil es Überschneidungen gibt und hier ja Anwesenheitspflicht herrscht. Mal sehen, wie die das alles regeln, ich mach mir jetzt keine Gedanken, sonst krieg ich hier echt noch meinen ersten Herzinfarkt oder noch schlimmer, die ersten grauen Haare.
Inzwischen haben wir doch tatsächlich mit etwas Sport angefangen, das Fitnessstudio der Uni ist schon ganz gut ausgestattet, und ich glaube, wir können unsere Mission erfolgreich bestreiten und die überflüssigen und sinnlos angefutterten Pfunde rechtzeitig zum chilenischen Winter und zum deutschen Sommer wieder loswerden!